Meine Lieblingsübung für eine gute Familienatmosphäre
und die drei Ebenen, auf denen Eltern ansetzen können, damit Kinder weniger streiten (No. 21)
Eure häufigste Rückmeldung zur letzten Ausgabe von Glück in Deine Mailbox war:
💛„Danke – Kinderstreit als wichtigen Teil der Entwicklung zu sehen, hilft mir sehr, ruhiger zu bleiben, wenn meine Kinder streiten. Aber was kann ich noch tun, damit meine Kinder weniger streiten?“
Die gute Nachricht ist: Wir Eltern können auf mehreren Ebenen ansetzen – und alle drei sind wirksam.
1. Vor dem Streit
Wir können präventiv die Beziehung zwischen unseren Kindern stärken, eine gute Familienatmosphäre schaffen, negative Emotionen abbauen und konstruktiven Umgang mit Konflikten vorleben.
2. Während des Streits
Wenn wir ruhig bleiben, überträgt sich das auf unsere Kinder und wir können den Streit – falls nötig – besser moderieren. Was mir dabei hilft ruhig zu bleiben, wenn meine Kinder streiten und wann Eltern in Kinderstreit eingreifen sollten, findest Du in Ausgabe 20 von Glück in Deine Mailbox: Juhuu, meine Kinder streiten. (Tipp: Alle vorangegangenen Ausgaben findest Du auf meiner Website in der Bibliothek.)
3. Nach dem Streit
Wenn die Emotionen abgeklungen sind, können wir den Streit gemeinsam nachbereiten. Denn dann gelingt es uns oft besser unterschiedliche Perspektiven zu verstehen und wir können entspannter überlegen, was die Kinder (und manchmal auch wir Eltern) beim nächsten Mal anders machen könnten.
Unsere Nerven als Eltern schont der erste Ansatz besonders. Deswegen möchte ich Dir heute eine meiner Lieblingsübungen vorstellen, die die Beziehung zwischen Kindern stärkt und eine gute Familienatmosphäre schafft.
Praxistipp für Deinen Familienalltag:
Die folgende Übung ist eine meiner absoluten Lieblingsübungen, weil sie die Stimmung in unserer Familie auf erstaunliche Weise verändert. Sie ist flexibel einsetzbar, braucht kaum Zeit und funktioniert zum Beispiel beim Abendessen oder immer dann, wenn ihr Wartezeiten überbrücken möchtet. Wir nutzen sie sowohl präventiv einfach zum Spaß als auch, wenn wir merken, dass es ein konfliktreicher Tag war und wir die Stimmung ändern möchten, damit der Tag zumindest friedlich zu Ende geht.
💛Und so geht’s:
Die Familienmitglieder sind nacheinander dran und sagen einem anderen Familienmitglied, was es in dieser Woche gut gemacht hat oder worüber sie sich gefreut haben.
Beispiel: Meine Tochter beginnt.
Ich: „Ich habe mich sehr gefreut, dass Du so eine schöne Geburtstagskarte für Opa gebastelt hast.“
Papa: „Danke, dass Du mir gestern geholfen hast, die Spülmaschine einzuräumen.“
Bruder: „Ich fand es toll, dass Du mich vom Kindergarten abgeholt hast.“
Dann ist mein Sohn dran. Dann mein Mann. Dann ich. Meist verselbstständigt es sich dann und uns fallen immer mehr Dinge ein, die wir einander mehr oder weniger abwechselnd und geordnet erzählen. “Mama, ich weiss noch was!!!!” 😉
(♥ Tipp für Gruppen & Schule: Die Übung ist leicht modifiziert auch in größeren Kindergruppen z.B. in der Schule super einsetzbar. Jedes Kind zieht ein anderes Kind und schreibt ihm auf einen Zettel, was es an ihm wertschätzt. Vielleicht kennst Du ja eine engagierte Lehrperson, der die Atmosphäre in ihrer Klasse am Herzen liegt? Dann leite diese E-Mail gerne weiter mit dem Verweis auf die spannenden Forschungsbefunde von Seligman, Reivich und Kollegen, die zeigen, wie sehr es sich lohnt Positive Psychologie in der Schule einzusetzen).
Wenn Du die Übung mit Deinen Kindern machst, achte bewusst darauf, wie sie reagieren, wenn ihre Geschwister etwas Positives zu ihnen sagen. Zu meinen schönsten Momenten als Mama gehört es, zu sehen, was meine Kinder aneinander wertschätzen – und wie sehr sie sich freuen, wenn sie es voneinander hören.
Ich wünsche Dir, dass diese Übung Dir und Deiner Familie so viele schöne, verbindende Momente schenkt wie meiner!
P.S. Wie leicht wir Positives wahrnehmen, hängt stark davon ab, worauf unser Gehirn trainiert ist. Wenn Deinen Kindern am Anfang wenig einfällt, ist das also überhaupt nicht schlimm. Gib ihnen ruhig etwas Hilfestellung und baut die Übung regelmäßig ein. Mit der Zeit wird es ihnen immer leichter fallen, positive Dinge zu sehen und zu benennen. Damit stärkst Du sie nicht nur für euren Familienalltag, sondern auch für ihr ganzes Leben. Denn positive Emotionen sind ein wichtiger Schutzfaktor für unsere psychische Gesundheit und eine wesentliche Zutat für ein glückliches Leben - wie uns die Forschung von Barbara Fredrickson zeigt.


