Wie Dein Kind gerne mit Dir kooperiert
ohne Drohen, Schimpfen und endlose Diskussionen (No. 23)
Letzten Monat stellte eine Mutter in meiner Familienberatung eine Frage, die mich selbst lange beschäftigt hat – und manchmal auch heute noch beschäftigt. Wahrscheinlich beschäftigt sie die meisten von uns immer mal wieder. Auch wenn wir manchmal glauben, wir seien die Einzigen. Deshalb teile ich mit Dir meine Antworten auf ihre Frage:
💛„Wie kann ich mein Kind relativ stressfrei und ohne stundenlange Diskussionen zur Kooperation bewegen?“
Konkret nannte sie folgende Situationen als Beispiele:
„Meine Tochter will auch bei warmem Wetter ihre heissgeliebten Gummistiefel anziehen und lässt sich einfach nicht überzeugen, andere, wetterangepasstere Schuhe zu tragen. Ähnliche Situationen gibt es auch beim Zähneputzen und Sonnencreme einschmieren. Sie rennt davon und möchte nicht mitmachen. Wie können wir sie zur Kooperation bewegen, ohne Zwang anzuwenden oder auf blöde Wenn-dann-Drohungen zurückgreifen zu müssen?“
Unsere Kinder haben mit zunehmendem Alter den immer stärkeren Wunsch nach Autonomie. Dies ist ein wichtiger Teil ihrer Entwicklung. Denn Autonomie ist eines ihrer drei psychologischen Grundbedürfnisse. Meine Empfehlung ist daher:
Gib Deinen Kindern so viel Autonomie wie in ihrer jeweiligen Altersstufe möglich und - nur so viel Grenzen und Sicherheit wie nötig.
Praxistipps für Deinen Familienalltag
💛Klassifiziere eure Konfliktsituationen nach dem Gummistiefelprinzip
Frage Dich:
Ist das gerade ein Gummistiefelproblem – oder ein Sonnencremeproblem?
Kann mein Kind bei 40 Grad ohne Sonnencreme das Haus verlassen?
Die Antwort ist klar: Nein. Denn es bekommt ziemlich unmittelbar Sonnenbrand.
Muss mein Kind heute Zähne putzen?
Einmal ohne Zähneputzen überlebt es. Aber regelmäßig ohne Zähneputzen ist definitiv keine gute Idee.
Kann mein Kind bei Sonnenschein mit Gummistiefeln das Haus verlassen?
Ja, kann es. Ist das orthopädisch optimal? Vermutlich nicht. Aber bei uns war die Gummistiefelphase im Sommer sowieso recht schnell wieder vorbei. Leider wusste ich das noch nicht als mein Sohn bei 40 Grad mit Badehose und seinen geliebten roten Gummistiefeln unterwegs war. Deswegen habe ich phasenweise einfach die Sandalen mitgenommen und ihn hin und wieder gefragt, ob ihm warm in den Gummistiefeln ist und ob er lieber seine Sandalen anziehen möchte. So lernen Kinder, auf ihren Körper und ihre Bedürfnisse zu hören – und ihre Autonomie Schritt für Schritt weise zu nutzen. Heute, drei Jahre später, fragt mich mein Sechsjähriger, wie das Wetter ist, um zu entscheiden, welche Schuhe er anzieht. Zumindest an den meisten Tagen. Hin- und wieder gibt es noch Gummistiefeltage aber die werden immer weniger.
(Zusatztipp: Überlege, warum Dein Kind unbedingt die Gummistiefel o.ä. tragen möchte. In unserem Fall waren die Gummistiefel schlicht die Schuhe, die sich am einfachsten an- und ausziehen ließen. Oft findet sich dann ein Äquivalent, das für alle besser passt.)
Das Gummistiefelprinzip erspart Dir Stress und fördert gleichzeitig die Autonomieentwicklung Deines Kindes.
Aber was ist mit den Sonnencremesituationen?
💛Schaffe Autonomie durch Wahlmöglichkeiten
Auch wenn Dein Kind nicht entscheiden kann, ob es Sonnencreme braucht, kann es z.B. entscheiden, wie/ wann / von wem es eingecremt wird.
Zum Beispiel:
Soll Papa Dich eincremen oder ich?
Wo soll ich anfangen: im Gesicht oder an den Beinen?
Welche Sonnencreme magst Du am Liebsten? (Bei uns war es ein absoluter Gamechanger, dass mein Kind die Sonnencreme selbst im Drogeriemarkt aussuchen durfte.)
Mit etwas anderen Fragen funktioniert dieses Prinzip auch bei älteren Kindern und Teenagern sehr gut. Gerade Teenager haben oft entwicklungsbedingt das starke Bedürfnis autonomer zu werden und Dinge mitentscheiden zu dürfen.
💛Löse die Situation spielerisch
Manche Konflikte lösen sich nicht durch bessere Argumente, sondern durch mehr Leichtigkeit.
Zum Beispiel:
„Möchtest Du ein Einhorn oder einen Ritter mit Sonnencreme auf Deinen Bauch gemalt bekommen?“ - Das dauert garantiert kürzer als der Streit um die Sonnencreme.
Oder beim Zähneputzen:
„Mhm … was ist denn das für eine Bürste? Was man damit wohl machen kann? Vielleicht den Fußboden schrubben? Oder das Geschirr? Oder die Toilette?“
„Zähne putzen, Mama!“
„Ach super. Du hast recht. Na dann zeig mir mal, wie das geht.“ Jahrelang habe ich ungefähr jeden zweiten Tag vergessen, wofür man wohl eine Zahnbürste benutzt.😂
Oder:
„Moment, mach mal schnell den Mund auf! Da ist ein Karius und ein Baktus. Die muss ich ganz schnell jagen, bevor sie uns entwischen.“
Durch positive Verknüpfung verwandeln sich Konflikte und ungeliebte Aufgaben langsam, aber sicher in kleine Familienhighlights.
Ich wünsche Dir einen Mai voller Kooperation mit Deinem Kind! Und natürlich einen tollen Muttertag! Feier Dich (oder die Mama Deiner Kinder, falls Du ein Papa bist) für all das, was Du im letzten Jahr für Deine Familie geleistet hast! Und weil Mama sein manchmal das Wunderbarste und manchmal das Anstrengendste auf der Welt ist, findest Du unten noch eine kleine Muttertagsüberraschung von mir für Dich!
💛Mein Muttertagsgeschenk
In dieser Ausgabe ging es darum, wie Du Deinem Kind im Alltag mehr Autonomie ermöglichen kannst, ohne wichtige Grenzen und Sicherheit aus dem Blick zu verlieren. Mehr darüber, wie Du für Dein Kind eine gute Balance zwischen Freiheit und Sicherheit schaffst und was die anderen beiden psychologischen Grundbedürfnisse Deines Kindes sind, lernst Du in meinem Onlinekurs:
„Psychologische Grundbedürfnisse – Wie Du Motivation, Selbstvertrauen und soziale Beziehungen Deines Kindes fördern kannst.”
Falls Du Dir selbst – oder der Mama Deiner Kinder – etwas zum Muttertag schenken möchtest:
Bis einschließlich 10. Mai 2026 erhältst Du 20 % auf die Kursgebühr, wenn Du den Code MUTTERTAG20 bei der Buchung eingibst.


