Wie findet mein Kind Freunde fürs Leben?
Wann Eltern unterstützen und wann sie loslassen sollten (No. 24)
Gerade sitzt eine meiner engsten Freundinnen nach fünf gemeinsamen Tagen zurück im Zug nach Paris. Und mein Herz fließt über vor Liebe und Dankbarkeit. Wenn es eine Sache in meinem Leben gibt, für die ich aus tiefstem Herzen dankbar bin – dann sind es meine Freundinnen. Die mich genauso lieben, wie ich bin und mit mir durch gute und schlechte Zeiten gehen.
Gute soziale Beziehungen sind auch aus Forschungssicht unabdingbar für Menschen, um glücklich zu werden. In der Psychologie spricht man von sozialer Eingebundenheit als einem der drei psychologischen Grundbedürfnisse. Spannend ist dabei: Entscheidend ist nicht die Anzahl unserer Freunde, sondern die Qualität unserer Beziehungen. Menschen sind deutlich glücklicher, wenn sie einen oder mehrere Freunde in ihrem Leben haben, die sie zu jeder Tages- und Nachtzeit anrufen könnten. Freunde, die für sie da sind. Interessanterweise nicht nur dann, wenn etwas schiefläuft. Sondern vor allem dann, wenn etwas Schönes passiert. Denn, ob sich jemand für uns aus vollem Herzen freut, wenn uns etwas gelingt, ist am entscheidendsten dafür, wie sich eine Beziehung entwickelt. Das zeigen uns die ForscherInnnen Gable, Gonzaga und Strachman in ihrem sehr interessanten Artikel: „Will you be there for me when things go right?“.
Nachdem meine eigenen Freundschaften so ein solides Fundament für mein Leben bilden, ist einer meiner größten Herzenswünsche für meine Kinder: Gute Freunde. Freunde, die für sie da sind, wenn etwas schiefläuft und mit denen sie ihre schönen Momente aus vollem Herzen teilen können. Wie können wir unsere Kinder beim Entwickeln dieser Freundschaften unterstützen?
Praxistipps für Deinen Familienalltag
💛Jüngere Kinder brauchen unsere aktive Unterstützung in Freundschaften.
Kleinere Kinder (bis ca. Ende der Kindergartenzeit) brauchen aktive Unterstützung in ihren Freundschaften. Sie brauchen Eltern, die sich mit anderen Eltern und deren Kindern treffen. Sie brauchen Eltern, die ihnen erklären, dass es besser ist zu sagen „Ich möchte mein Förmchen zurück“ als jemandem eine Sandschaufel auf den Kopf zu hauen. Oder die ihnen vorschlagen ihre Apfelschnitzel zu teilen und sie loben, wenn sie es dann tun.
Tipp: Falls Dein Kind sich unangemessen verhält, frage Dich kurz „Warum hat es gerade xyz?“ statt direkt zu schimpfen. Dadurch kannst Du viel kompetenter reagieren.
💛Bei älteren Kindern: Schritt für Schritt loslassen.
Die benötigte Unterstützung wird aber nach und nach weniger. Seit einiger Zeit stehe ich vor einer neuen Herausforderung . Nachdem ich jahrelang die Freundschaften meiner Kinder aktiv gefördert habe, bin ich gerade dabei loszulassen. Mich zurückzulehnen und interessiert dabei zuzuschauen, wie ihre Freundschaften sich entwickeln und warum. Zu Beginn hat es sich für mich nahezu wie physische Folter angefühlt, wenn sich meine Kinder in Freundschaften „unfreundlich“ verhalten haben und ich hätte liebend gerne (sofort) eingegriffen. Mittlerweile habe ich allerdings verstanden, dass gerade auch unsere „Fehler“ in zwischenmenschlichen Beziehungen die größten Lerngelegenheiten für uns sind. Ich bin mir beispielsweise rückblickend sicher, dass das schmerzhafte Scheitern meiner 5-jährigen Beziehung im Studium entscheidend dazu beigetragen hat, dass ich seit 13 Jahren glücklich verheiratet bin. Ähnlich beobachte ich, wie meine Kinder aus ihren „Fehlern“ in Freundschaften lernen. Wie sie sich entschuldigen, etwas wieder gutmachen oder sich beim nächsten Mal anders verhalten. Natürlich gebe ich ihnen hin und wieder noch Tipps und Empfehlungen. Aber ich beginne mich darauf einzustellen, dass irgendwann der Tag kommt, ab dem ich das nur noch auf Nachfrage tun werde. Und jeden Tag vertraue ich ein kleines bisschen mehr, dass sie ganz ohne meine Hilfe Freundschaften fürs Leben entwickeln werden. Dieser Gedanke hilft mir dabei:
💛Kinder müssen in Freundschaften nicht alles richtig machen. Jeder Tag ist ein guter Tag, um für den nächsten zu lernen.
Ich wünsche Dir und Deinen Kindern Freunde, die euch lieben genauso wie ihr seid – mit all euren wunderbaren Eigenschaften UND all euren Fehlern.
P.S. Falls Du Dich mit der Frage „Wie findet mein Kind Freunde fürs Leben?“ intensiver beschäftigen möchtest: Ich entwickele aktuell einen neuen Kurs, mit dem Du die Grundlage für tragfähige Freundschaften und eine langfristige gesunde, resiliente und glückliche Entwicklung Deines Kindes legen kannst. Du möchtest informiert werden, wenn der Kurs startet? Dann trag Dich gerne auf die Warteliste ein. Du erhältst alle Informationen vorab und bekommst Zugang zu einem besonderen Early-Bird-Angebot.



